DIE
TECHNIK DER ZEITREISE
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Die
verschiedenen Möglichkeiten einer Zeitreise
Wie funktioniert so eine Zeitreise? Einfach mal
angenommen, es gäbe wirklich die Möglichkeit einer Zeitreise, dann wüssten
wir es natürlich. Schriftsteller haben also nur die Möglichkeit sich eine
Methode auszudenken - und diese möglichst plausibel wirken zu lassen. Sollte
sich irgendwann einmal herausstellen, dass eine dieser Möglichkeiten
tatsächlich funktioniert, dann dürfte die Zufriedenheit dieser Autoren sicher
grenzenlos sein. Welche Methoden der Zeitreise kann man sich also ausdenken?
Die wenigsten Autoren machen sich die Mühe, die technischen Details oder das
Verfahren der von ihnen beschriebenen Zeitreise(n) näher zu beschreiben. Es ist
halt einfacher, eine Zeitmaschine eben als Zeitmaschine zu benennen und weitere
Details auszulassen. Die Bezeichnung "Zeitmaschine" sagt ja
schließlich alles über den Zweck der Maschine aus. Ich kann verstehen, dass
die Beschreibung der Abenteuer [also die eigentliche Handlung um die
Zeitmaschine herum] für sie wesentlich wichtiger als die technischen Details
oder die Verfahrensweise sind. Nach dem Motto, "hier ist ein Radio... es
spielt" geht man ja davon aus, dass jeder weiß was das ist, also kann ich
mir weitere Details ersparen. Gut, wenn wir ehrlich sind, dann würden wir als
"Nicht-Radio-Fachleute" natürlich wirklich nur Bahnhof verstehen,
wenn tatsächlich versucht würde, die Funktionsweise eines Radios zu
beschreiben. Aber hier geht es nun um ein Gerät, das absolut exotisch, weit,
weit ab von einem Zeitpunkt, da es wirklich gebaut werden könnte, ist. Selbst
die wahre Natur der Zeit kann im Moment nur diskutiert werden. Doch da wäre es
doch ganz schön, wenn die Autoren versuchen würden eine ungefähre
Beschreibung anzubieten. Es würde auch zeigen, dass sie sich ernsthaft mit der
Materie der Zeitreise, mit dem, was Zeit wirklich ist oder sein könnte,
beschäftigt haben. Gott sei Dank gibt es aber immer wieder gute Autoren, die den
Begriff "Zeitreise" nicht nur als Container für eine Geschichte
nutzen. Wells z.B. hat seine Maschine liebevoll und detailliert
beschrieben.
"Realwissenschaftlich": LHC Teilchenbeschleuniger - Die "Zeitmaschine" von CERN englisch
[N24]
11:25
Aber zurück zur Aufzählung der Maschinen und Methoden:
Da
wäre also zuerst einmal die "echte" Zeitreise [Lebewesen oder
Gegenstände werden in der Zeit versetzt], dann die "mentale"
Zeitreise. Hier noch vier weitere Methoden, die zum Zuge kommen:
1 Koma [K]
Die
starrkrampfartigen Schlaf- bzw. Koma-Zustände gewisser Märchenpersonen wie Dornröschen,
Siebenschläfer,
Rip van Winkle usw.
Der Protagonist "schaltet quasi ab" und erwacht nach einer kürzeren oder längeren
Zeit wieder und findet sich in einer "veränderten"
Welt wieder.
Dieser "Schlaf" kann in der SF-Literatur natürlich auch - gewollt oder ungewollt -
künstlich [Maschinen oder mental]
hervorgerufen sein. Siehe als Beispiel Käfig der Zeit
von E.C. Tubb
oder
Der Zeitenjäger von Björn Harmening.
Eine ganz besondere
Unterkategorie ist die Wiedergeburt [Reinkarnation
oder auch Palingenese], eine Wiederfleischwerdung oder
Wiederverkörperung einer Person. Man könnte sie auch als
eine Sonderform der virtuellen,
unphysischen Zeitreise ansehen. Sie
wird
mit [K/V] gekennzeichnet. Man findet in der Literatur
allerdings nur wenige Beispiele hierfür - i.d.R. dann historische Themen die
dann
als Hauptthema ägyptische Geschichte nutzen. Ein Beispiel
hierfür möge Der grüne Skarabäus
von Philipp Vandenberg sein.
2 Dilatation
[D]
Als
zweites wäre da noch der Effekt beim erreichen der Lichtgeschwindigkeit im All,
Zeitdilatation genannt. Dabei vergeht für den
Protagonisten die Zeit "normal", der Weltraum um ihn herum jedoch "altert"
schneller [wobei der Unterschied immer größer wird je mehr
man sich der
Lichtgeschwindigkeit nähert]. Der am weitesten "zeitgereiste“ Mensch ist der russische
Kosmonaut Krikaljow,
der 784 Tage
an Bord der Raumstation Mir
verbrachte. Er "reiste" im Vergleich zu seinen erdgebundenen Mitmenschen etwa eine Fünfzigstelsekunde
in
die Zukunft, weil die hohe Geschwindigkeit der Raumstation für eine spezialrelativistische Zeitdilatation sorgt, die wesentlich
größer ist
als die gravitative Zeitdilatation. Durch die Effekte der
gravitativen Zeitdilatation wäre die Erdoberfläche im Vergleich zum Raumschiff in
die Zukunft
gereist, dies ist bei geostationären Satelliten der Fall, da sie sich nicht so
schnell bewegen wie erdnahe Satelliten.
Roger MacBride Allen
hat in seiner Solace-Trilogie [Die Tiefen der Zeit
und
Der
Ozean der Jahre]
einen ganz besonderen Trick benutzt
um Einsteins
lästige Geschwindigkeitsbeschränkung bei Reisen durch das All zu umgehen. Er
geht davon aus, dass auch 3.000 Jahre in
seiner Zukunft die Raumfahrtingenieure es auf lediglich ein Zehntel der Lichtgeschwindigkeit
gebracht haben. Nach den Gesetzen der
Physik bringt diese Geschwindigkeit aber einen schnelleren Ablauf der subjektiven Zeit mit sich, der das Raumschiff nicht nur durch die
Tiefen des Weltalls, sondern auch in die Zukunft befördert. Die lange Reise verbringen die Astronauten im Kälteschlaf - bis sie einen
"Zeitschacht" erreichen. Diese kosmische Anomalie nützen sie für einen Sprung in die Vergangenheit, um dann gut ausgeschlafen wieder
die Zeit des Aufbruchs und den Zielplaneten zu erreichen. Einziges Problem dieser Art des Reisens: Mithilfe der Zeitschächte könnte man
im Prinzip auch in die Zukunft reisen.
Hier wird eine Kombination von Zeitdilatation und Tor [siehe 3]
benutzt. Durch die Annäherung des Raumschiffes an die Lichtgeschwindigkeit
[wobei sich hier ein Zehntel der LG schon erheblich bemerkbar macht] entsteht der Dilatationseffekt. Durch den "Zeitschacht" wird die
"überholte" Zeit sozusagen wieder "ausgeglichen". Hier haben wir also eine Art "Vor-Zurück"-Effekt, der es ermöglicht, mit einer relativ
hohen Geschwindigkeit zu Reisen und praktisch fast ohne Zeitverlust am Zielort anzukommen.
Das eigentliche Problem bei der Dilatation ist aber nicht der
technische Aspekt [Erreichen einer entsprechend hohen Geschwindigkeit -
wir lassen dies einfach mal außer Acht und nehmen an, es wäre
möglich...], sondern der Mensch. Das Problem ist eben, dass der
zurückkehrende Raumfahrer eventuell seine Familie in der
ursprünglichen Form nicht mehr wiedersehen wird. Über die Zeitverschiebung
bei
der Dilatation habe ich mir folgende Gedanken gemacht [ich hoffe
es ist einigermaßen physikalisch korrekt...]:
Die Zeitverschiebung ist ja nur ein mathematischer Vorgang, das
wirkliche Alter der Dinge ändert sich in keiner Weise. Selbst in
mathematischer
Hinsicht gibt es keine definitiv wirklich nachvollziehbare
Lösung. Nicht nur die spezielle, auch die allgemeine Relativitätstheorie gibt
entgegen
der ursprünglichen Auffassung [Vorsicht, hier können immer
plötzlich vollkommen neue Erkenntnisse über uns hereinbrechen!] keine
ausreichende Handhabe. Die Relativitätstheorie erlaubt zwar die
Annahme eines für die Darstellung der Zeitverschiebung erforderlichen
absoluten Bezugssystems, aber auch die Ersetzung dieses Systems
durch ein anderes, wodurch wir zwei verschiedene Zeitverschiebungen
erhalten, was die eine wie die andere ad absurdum führt.
Nehmen wir die Unendlichkeit einmal als austauschbares, weil
einziges objektiv absolutes Bezugssystem an. Wir kommen auch da nicht
weiter wirklich weiter. Am Unendlichen gemessen, ist alles
entweder gleich Null oder gleich unendlich. Die Zeitverschiebung ist also
nichts als
eine fiktive Annahme. Die verschiedenen Formen der Bewegung üben
natürlich einen spezifischen Einfluss auf das Altern eines Körpers aus,
Das trifft natürlich nun auch auf die Bewegung im Weltraum zu. Ob
ein Mensch, der einer andauernden mehrfachen Erdbeschleunigung
ausgesetzt ist langsamer altert [hier meine ich nun das
tatsächliche organische Altern], ist fraglich. Durch die damit verbundene
Belastung
ist eher davon auszugehen, dass sein Tod eher beschleunigt wird.
3 Tore/Portale/Übergänge [T]
So genannte Tore [Dimensionsübergänge], Räume oder Plätze die meist in ein
Paralleluniversum
führen. In meinen Listen werden die
Romane, die dieses Thema nutzen, meist bei den
Alternativwelten geführt, weil sie oft in andere Dimensionen bzw. alternative
Welten
führen und weniger reine Zeittore sind. Zum Teil gibt es aber auch
Stories, die tatsächlich
in die Vergangenheit bzw. Zukunft führen,
durch die Aktivitäten der Protagonisten dann aber
oft in einen alternativen Zeitstrang führen. Beispiel für einen solchen Raum
finden
wir in der Jugendserie von Fabian Lenk Die
Zeitdetektive. Zu der Verwendung von Toren/Übergängen kann man geteilter Meinung sein -
ich finde, der Autor macht es sich
i.d.R. damit ziemlich leicht. Die Übergänge sind eben meistens einfach
"da". Erklärungen, warum
solche Übergänge gerade dort sind, wo sie sind, oder warum
sie überhaupt dort sind wird man meistens nicht finden. Wenn überhaupt,
dann
wird auf ein wenig Mythologie oder Magie verwiesen. Eine Maschine zu beschreiben
[besonders, wenn sie nicht dem Klassiker von
Wells gleichen soll] ist da schon
sehr viel schwieriger - belohnt den Leser allerdings auch oft mit einem
schönen "Aha-Erlebnis". Eine
besondere Variante der Tore/Portale hat
sich Peter Schwindt
in seiner Trilogie Justin
Time ausgedacht.
Die Protagonisten stehen hierbei
in
einem "Zeitportal“ auf einem Gravitationsfeld,
das den Deckel eines
Wurmlochs
bildet. Dieses Wurmloch wird durch ein in einer
Glaskugel gefangenes
Schwarzes
Loch geöffnet. Es wird übrigens mehrfach betont, dass die
Realisierung von Zeitmaschinen erst nach
der Entwicklung der allgemeinen
Feldtheorie
möglich wurde. Zum Thema Wurmloch gibt es bei 3a
mehr...
Im Star Trek-Universum
finden wir ganz spezielle Möglichkeiten der Zeitreise. In der Episode
5.26/6.01 Gefahr aus dem 19.
Jahrhundert,
heißt es, dass die Enterprise durch ein Subraumfeld
in die Vergangenheit gelangt - was man wohl dann als eine Tor definieren kann.
3a
Wurmloch
Auch Wurmlöcher können als Zeitmaschine genutzt werden.
Normalerweise wird im Zusammenhang mit einem Wurmloch-Transport immer
nur von einer örtlichen Versetzung [natürlich ungeheuer schnell]
gesprochen. Man muss bei den Wurmlöchern auch mehrere Arten
unterscheiden: "Natürliche" stabile, natürliche
unstabile und künstlich erzeugte Wurmlöcher. Als Beispiel hierzu mag einmal Timeline
von
Michael
Crichton
dienen. Hier haben Forscher ein vorhandenes Wurmloch entdeckt, das allerdings
eine feste Verbindung mit einer bestimmten
Zeit [1357] ermöglicht [und scheinbar auch eine ziemlich
festumgrenzte Lokalität [hier in Frankreich, auch dort ein bestimmter Umkreis
um
einen Punkt]. An der Beschreibung muss leider einiges kritisiert
bzw. hinterfragt werden - dies könnt Ihr aber auf der entsprechenden
Seite
nachlesen.
Zu den Toren kann man auch
Übergänge
zählen. Dabei ist es möglich, von einer Zeit in eine andere mittels einfachem
Überschreiten
einer [i.d.R. unsichtbaren] Grenze zu gelangen. Diese Grenzen
können sowohl natürliche Ursachen als auch künstlich herbeigeführt
sein. Plötzlich auftretende Übergänge finden wir z.B. in
Sturm der Zeit
von Gordon
R. Dickson.
Dickson erklärt dieses
Phänomen so: Die
Ausdehnung seit dem Big Bang kommt allmählich zum
Stillstand; einzelne Galaxien beginnen zum Mittelpunkt des Kosmos
zurückzustürzen.
Doch dieser Vorgang geschieht nicht einheitlich. Es
kommt zu Brüchen in der raumzeitlichen Struktur. Die Folge davon sind
Zeitstürme,
die schließlich auch unser Sonnensystem und mit ihm die Erde
erfassen. Diese Stürme sind gewaltige Nebelwände, die über Meere und
Kontinente
ziehen.
Ring-Tore
In allen drei Teilen von Stephen Baxters
Multiversum-Trilogie
kommt eine interessante Art der Zeitreise durch einen
Ringtransporter
zum Zuge. Bei diesem Transporter handelt es sich um einen
blauen Ring [aus "gefalteter" Zeit]. Man könnte hierbei gleich
an Stargate
denken. Also hier einmal der
grundlegende Vergleich zwischen den hier beschriebenen Toren. Das
Primärprinzip beider Maschinen ist
natürlich der Transport von einem
Punkt im Universum zu einem anderen [Raumverschiebung]. Bei Stargate
erfolgt der Übergang
"zeitlos" - der Protagonist durchschreitet
das Portal und wird praktisch in Nullzeit transportiert [ob hier technisch
eine Auflösung des
Körpers in Partikel bzw. Daten stattfindet, sollte in
diesem Zusammenhang nicht von Wichtigkeit sein - wobei in Baxters Version
der
Tore, die Protagonisten tatsächlich sterben und die Daten ihrer
Körper übertragen werden um dann wieder "zusammengesetzt"
werden]. Es findet also nur eine Ortsveränderung statt. Bei Baxter
ist dieses Prinzip einfach genial gelöst, wobei man sich gut
vorstellen
kann, dass, wenn es denn je möglich wäre ein solches Torprinzip zu
verwirklichen, es so funktionieren könnte. Es findet wie
bei Stargate
also ein Transport statt [hier eindeutig als Datenpaket], der Faktor Zeit
ist hier aber ein mächtiger Sekundärfaktor! Weil
die Daten [alles was den Ring durchdringt wird als Datenpaket transportiert] aber nur die nach Einstein
höchstmögliche Geschwindigkeit,
nämlich Lichtgeschwindigkeit
erreichen können. Aus diesem Grund findet nun eine Zeitreise für den
Protagonisten statt. Je nach
Entfernung sind die Daten entsprechend lange
unterwegs. Für den Protagonisten vergeht subjektiv keine Zeit [logisch,
weil tot]. Er
findet sich plötzlich [nach der Wiederherstellung der
Daten] plötzlich etliche Jahre weiter in der Zukunft. Eigentlich greift
hier also das
Prinzip der Zeitdilatation,
die auch mit einem Raumschiff möglich wäre. Die entsprechende
Zeitmaschinen-Zuordnung [also der rein
technische Aspekt der Maschine] ist
hierbei eine Zeitmaschine mit Gegen-Zeitmaschine, wobei der Empfänger bei
Baxter auf
herkömmliche, langsame Art, nämlich per Raumschiff zum
Zielpunkt gebracht werden muss. Der Empfänger kann dann ebenfalls als
Sender genutzt werden.
4 Mental [M]
- Personen mit der
Fähigkeit Zeit oder Zeiteffekte zu manipulieren
Gewollte oder ungewollte "direkte" Übergänge einer Person,
ohne
Zuhilfenahme von Maschinen, in Vergangenheit oder Zukunft - oftmals auch
durch Mutanten [dann "geistig"] gesteuert.
Hierbei gibt es natürlich [dichterische Freiheit eben] die vollkommen abwegige
Methode der Magie,
herbeigeführt von Zauberern, Magiern, Alchemisten oder Hexen,
oder einen Zaubertrank usw. Man kann diese Art "Märchen" nicht
einfach aus
aus dem Genre herauslassen - derjenige, der diese Art von
Übergang akzeptiert, könnte dann nämlich mit Fug und Recht sagen, dass die
Verfechter der "seriösen" Methoden diese ja letztlich
auch nicht beweisen können. Die
"mentale" Zeitreise ist natürlich keine Erfindung der
SF-Autoren
sondern eine Therapiemethode der NLP
[Neurolinguistische Programmierung], die allerdings nur wenig Unterstützung
und Interesse
in der akademisch orientierten psychologischen Fachliteratur erfahren hat. In diesem Zusammenhang
muss man die mentale Zeitreise eng mit
der virtuellen
Zeitreise verbinden. Technisch
gesehen ist der Übergang die Erschaffung eines eigenen, individuellen
Tores/Portals.
Die "echte" Zeitreise
Die "echte" Zeitreise wird - analog zur Bewegung im Raum - als die Versetzung einer realen Person innerhalb ihres
eigenen Zeitkontinuums in Richtung auf Vergangenheit oder Zukunft, verstanden. Was ist nun ein eigenes
Zeitkontinuum? Das ist der rekonstruierbare historische [hierbei darf die Historie durchaus fiktiv sein] bzw. in die
Zukunft verlängerbare, erfahrbare Zeitfluss. Die ersten "echten" Zeitreisen in der Literatur sind ein Phänomen, das
erst wesentlich am Ende des 19. Jahrhunderts auftaucht. Erst zu diesem Zeitpunkt war der technische Fortschritt
so weit ausgereift, dass sich Schriftsteller die Möglichkeit eines solchen technischen Geräts vorstellen konnten.
Erst jetzt konnte an die Idee einer Zeitmaschine gedacht werden. Die erste "echte"
Zeitmaschine
war dann
natürlich die von H.G. Wells. Zu den "echten" Zeitreisen per
Maschine gehören dann auch noch die durch Raumschiffe [die dann letztlich ja
auch nur eine erweiterte Form der Maschine sind].
Kosmische Ereignisse
[KE]
Zu den "echten" Zeitreisen müssen wir
natürlich auch kosmische Ereignisse zählen. Hierbei geraten die Protagonisten
z.B. in ein Raumgebiet mit besonderen Eigenschaften, die dann zu einer
Versetzung [wobei dies auch zusätzlich Entfernung sein kann] in eine andere
Zeit verursacht. Hierbei muss man allerdings genau unterscheiden, ob die
Versetzung tatsächlich nur die Zeit betrifft, oder in eine komplett andere
Dimension [Alternativ- bzw. Paralleluniversum]. Hierbei müsste das kosmische
Ereignis dann als so genanntes Übergangstor angesehen werden [wobei es dann
allerdings vollkommen unerheblich ist, ob die Versetzung dann in eine andere
Zeit führt!]. Ein solches kosmisches Ereignis könnte z.B. ein
"kosmischer Wirbelsturm" sein - wie z.B. in der [Comic]-Serie Storm.
Die Verwendung eines solchen kosmischen Ereignisses enthebt den Autor
natürlich weitestgehend von allen Erklärungen, denn alles was vorstellbar ist,
könnte es im Universum auch geben!
Die "echte" visuelle
Zeitreise
[MSV] ausführliche Seite
[Begriffserklärung Chronoskop]
Eine weitere "echte"
Zeitreise gibt es auch in der Form einer "visuellen Zeitreise".
Grundsätzlich haben wir diese ja schon tatsächlich, wenn auch nur als
kostenloser Blick in die Vergangenheit: Unser Sternenhimmel! Wir wollen uns
aber jetzt um den Blick in die Zukunft und den "gezielten" Blick in
die Vergangenheit kümmern. Hierbei kann über eine Maschine in die Vergangenheit bzw. Zukunft "gesehen"
werden. Der Effekt gehört eigentlich in die weitere wichtige Kategorie "Scheinbare" Zeitreisen bzw. Zeiteffekte,
und zwar zur Zeitumkehrung [Umlenkung des Zeitstroms]. Mit diesem Bereich hat
sich z.B. auch der russische Astronom Kosyrew beschäftigt. Zwei herausragende Beispiele hierfür findet man in
Das
Chronoskop von Isaac Asimov und in Das Licht ferner Tage
von Arthur C. Clarke
& Stephen
Baxter. Diesen Effekt nutzt [physikalisch korrekt] auch James Blish
in der Kurzgeschichte Störgeräusch.
Die eben beschriebenen Varianten "sehen" ja praktisch in die Zukunft.
Diesen Effekt finden wir auch organisch! Hellseher wären dann auch eine Art
von "in die Zukunft sehender Zeitmaschine"! Ein Beispiel hierfür
wäre dann Der goldene Mann von
Philip
K. Dick
[diese Geschichte diente auch als Vorlage für den Film Next].
Es gibt bei den Maschinen
ebenfalls verschiedene Varianten:
1 Die "bewegliche" Maschine, die sich und die Person in der Zeit
bewegt, selbst aber keine "Eigenbewegung" hat, d.h. keine mobile
Einheit
wie z.B. ein Auto ist. [MM]
2 Die bewegliche Maschine, die sich und die Person nicht nur in der Zeit
sondern auch wirklich räumlich bewegt [Auto, Flugzeug,
Raumschiff oder einfach irgendwie fahrbar]. [MM] - Ein herausragendes
Beispiel für ein Auto ist sicherlich
Zurück in die Zukunft.
Hier
einmal einige Erklärungen für diese Zeitmaschine:
Der
Fluxkompensator ermöglicht die Zeitreisen. Dr. Emmett L. Brown
hat ihn am
5. November 1955 erfunden, als er beim Aufhängen einer Uhr in seinem Badezimmer von der Schüssel seiner Toilette
rutschte und
unsanft mit dem Kopf aufschlug. Er hat den Fluxkompensator
in einen De
Lorean DMC-12 eingebaut, da sich der De Lorean wegen
seiner mit
rostfreiem Edelstahl verkleideten Karosserie, ideal für diesen Zweck eignet.
Zudem ist mit ihm leicht die erforderliche
Sprunggeschwindigkeit
von rund 140 km/h [88 Meilen] zu erreichen. Da für einen Zeitsprung eine
Leistung von 1,21 Gigawatt
benötigt
wird, reicht zum Betrieb kein bleifreies Benzin. Ursprünglich war im
Kofferraum des Fahrzeuges ein Atomreaktor
eingebaut, für
dessen Betrieb Doc hochradioaktives Plutonium
benötigte, um das er libysche
Terroristen betrogen hatte. Die benötigte Leistung
liefert später der "Mr.
Fusion". Dieses, aus der Zukunft "entliehene" Gerät, wandelt durch
Fusion
Materie in Energie um. Dadurch
genügte eine kleine Ladung Abfall zur Erzeugung
der Energie. Der Begriff "Fluxkompensator" ist eine falsche Übersetzung;
der englische
Originalbegriff flux capacitor müsste technisch und
sprachlich korrekt mit "Flusskondensator" wiedergegeben werden.
3 Die stationäre Maschine, die zwar eine Person in der Zeit bewegt, selbst
aber keinerlei Bewegung hat, weder räumlich noch zeitlich.
Hierbei sind wieder
vier Arten zu unterscheiden:
a) Die Person wird versetzt, erreicht die Zielzeit und hat leider
keinerlei Möglichkeit in ihre Ursprungszeit zurückzukehren; [MS]
b) Die Person wird versetzt, erreicht die Zielzeit und wird nach
einer bestimmten Zeit wieder in die Ursprungszeit zurückgeholt - wobei
es auch
Varianten gibt, die eine "automatische" Rückkehr zugrunde legen;
c) Die Person wird versetzt, erreicht die Zielzeit und errichtet
dort das Gegenstück der Maschine um zurückzukehren. [MSG]
d) Es wird keine Person versetzt sondern die Zielzeit kann
beobachtet werden. [MSV]
"Scheinbare" Zeitreisen bzw.
Zeiteffekte
Unterkategorien der Zeitreise sind
auch Zeiteffekte oder Zeitmanipulationen: Zeitverlangsamung, Zeitbeschleunigung, Zeitstillstand,
Zeitdehnung, Zeitumkehr und Zeitschleifen. Eine Geschichte, die allein schon 3
Effekte [Zeitverlangsamung, Zeitbeschleunigung und Zeitstillstand] benutzt ist Momo
.
Die "einfachste" Art der scheinbaren
Zeitreise sind wir [bzw. unser normales Leben]. Als Erklärung lässt sich da
prima eine Kurzgeschichte aus der Sammlung Die
Zeitreisenden in Callahan´s Saloon von Spider Robinson heranziehen:
Hier geht es darum,
dass der Protagonist [Pfarrer Tom Haupmann], zehn Jahre seines Lebens in einer
Gefängniszelle, abgeschnitten von der Welt, plötzlich feststellen muss, dass
er komplett den Anschluss verpasst hat. "Sie sind alle Zeitreisende, die
in einem Tempo von einer Sekunde pro Sekunde durch die Zeit reisen",
erklärt er den Anwesenden in der Bar. - Wenn also jemand keinerlei
Informationen über das Leben um sich herum aufnehmen kann und plötzlich zehn
Jahre später wieder in unsere "normale" Welt tritt, dann muss es ihm
tatsächlich wie ein Sprung in die Zukunft vorkommen. Unter diesem Aspekt lohnt
es sich schon die Story zu lesen. Es geht um die Jahre 1963 bis 1973. Was sich
in diesem Zeitraum ereignet und [z.T. grundlegend] geändert hat können wir
uns eigentlich nicht wirklich vorstellen, wenn uns nicht jemand einmal wirklich
die Ereignisse aufzählt!
1 Bei der Zeitverlangsamung [Zv] wird in einem begrenzten Bereich oder auf eine
Person fokussiert der Zeitablauf verlangsamt. D.h., die
Zeit vergeht in diesem Bereich oder für diese Person langsamer [ohne, dass sich die Person dessen bewusst
ist [wird], während außerhalb
dieses Bereiches die Zeit den "normalen" Ablauf beibehält. Vergleichbar ist dieser
Effekt der Dilatation [vergl.
Bewertung der Zeitmaschinen nach Aufwand der
Technik 02]. Ein Beispiel, das Drogen als Auslöser für eine
Zeitverlangsamung nutzt ist
z.B. Zeitstopp
von Peter Schattschneider. Kann auch mental von einer Person beeinflusst
werden!
2 Bei der Zeitbeschleunigung [Zb][Zeitverdichtung] ist der Effekt genau umgekehrt. Die Protagonisten
bzw. auch Gegenstände altern
dementsprechend auch schneller! Einen solchen,
fatalen Effekt beschreibt z.B. Raymond F. Jones
in seinem Roman Weiße
Hölle Mond.
Dieser Effekt ist auch ernsthaft, wissenschaftlich erfasst worden - von dem russischen Astronomen Nikolai
Alexandrowitsch Kosyrew,
der sich eingehend auch mit Zeit
beschäftigt hat. Ob man diese Forschungen wirklich ernst nehmen will sei
dahingestellt, aber immerhin
hat er wohl ernsthaft daran geglaubt. Wer mehr über ihn und einige seiner z.T. abstrusen Forschungen wissen möchte, sollte sich mal
Zeitreisen: Fakten & Fiktionen von Peter Ripota beschaffen.
Als Beispiel für Zeitbeschleunigung:
Tempograd
von Georgi Gurewitsch.
Eine
etwas exotische Art der
Zeitbeschleunigung, nämlich durch Drogen, finden wir in
der Story Der
neue Beschleuniger von H.G. Wells.
Hierbei handelt es sich um
eine biologische Zeitbeschleunigung durch Drogen. Die Umwelt steht für den Protagonisten still!
Kann auch mental von einer Person beeinflusst werden! Auch in
einem Spiel wurde der Effekt der Zeitbeschleunigung ausgenutzt:
Singularity. Der Spieler verschafft
sich Vorteile, indem er das Alter von Objekten und
Gegnern mittels des Zeitmanipulationsgeräts - kurz
ZMG - ändert.
3 Beim Zeitstillstand
[Zss] vergeht in diesem Bereich keinerlei Zeit. Dies wäre praktisch der extremste
Dilatations-Effekt, aber ohne dass
überhaupt eine Geschwindigkeit erreicht werden müsste. Ein ähnlicher Effekt dürfte auch im
Ereignishorizont
eines
Schwarzen
Lochs
geschehen [EH].
Ein schönes Beispiel für das Thema ist sicher
Alle
Zeit der Welt
von Arthur C. Clarke. Kann auch mental von einer Person
beeinflusst werden! [siehe
Am
Abgrund der Zeit
von Andreas
Schreiner].
4
Die Zeitdehnung [Zd] ist nicht so einfach zu erklären. In der
Kurzgeschichte
Ablösung
[auch unter
"An der Zeitgrenze"] ist es
David I.
Masson wohl
am besten gelungen, diesen Effekt zu beschreiben. Ein weiteres
wirklich tolles Werk ist aber auch
Framstag Sam von
Paul
van Herck.
5
Die Zeitumkehr [Zu] dreht die Zeitrichtung im Bereich des Einwirkens bzw. für
einen Protagonisten einfach um [i.d.R. natürlich in Richtung
Vergangenheit]. Bekanntestes, literarisches Beispiel hierfür ist natürlich "Der seltsame Fall des
Benjamin Button" von F. Scott Fitzgerald.
Die Zeitumkehr kann auch zur Übertragung von Nachrichten und Bildern genutzt werden.
Auch hiermit hat Herr Kosyrew sich beschäftigt.
Zu dieser Möglichkeit
der Übermittlung von Nachrichten und Bildern passen die Romane Das
Chronoskop von Isaac Asimov,
Das Licht ferner Tage
von Arthur C. Clarke
& Stephen
Baxter und [physikalisch korrekt] auch James Blish in der
Kurzgeschichte
Störgeräusch.
6 Bei der
Zeitschleife [Zs] verläuft ein Prozess, scheinbar ohne Ursache, immer
wieder im Kreis [eigentlich das ideale Perpetuum
Mobile].
Ein Beispiel
hierfür kennen wir sicher alle als Film:
Und täglich grüßt
das Murmeltier. Um
Herrn Kosyrew etwas zu rehabilitieren:
Die
ernsthafte Beschreibung und Erklärung der Zeitschleife ist wirklich sein Verdienst!
Ein wesentlich anspruchsvolleres Werk aus dieser
Kategorie ist übrigens
Zeitknick
von George Alec Effinger
[zumal hier auch noch etliche Aspekte aus Orwells
berühmten Werk 1984
anklingen.
Inzwischen beschäftigen sich ernsthafte
[und namhafte] Wissenschaftler mit dem Thema Zeitreise. Dabei ergibt sich
natürlich ein großes Für und Wider. Die Gegner der Zeitreise mögen zwar
vielleicht recht haben - aber sie würden uns natürlich um den Genuss vieler
schöner weiterer Geschichten bringen, wenn sich alle Autoren der These "es
darf nicht sein was nicht möglich ist" halten würden. Andererseits gibt
es eben auch viele Wissenschaftler, die durchaus an die Zeitreise als
Möglichkeit glauben und diese mit entsprechenden Daten, Beispielen und Thesen
untermauern. Vielleicht etwas schwierig, sich als Autor nun an die angebotenen
Thesen anzulehnen und darauf aufzubauen? Ich denke, es wird genug Autoren geben,
die entweder vollkommen neue Methoden entwickeln - oder die als
"möglich" angebotenen, weiterentwickeln. Diese Art der Zeitreise
ist den meisten Angriffen der "Zeitrealos" ausgesetzt: Wenn ich eine
Maschine oder eine Person in der Zeit versetze, dann weiß ich nicht, an welcher
Stelle z.B. die Erde im Augenblick meines Erscheinens ist! Ich lande also i.d.R.
an einem Punkt, der in diesem Augenblick "leer" ist - ergo im Weltraum
- was natürlich fatale Folgen für die Gesundheit des Protagonisten zur Folge
hätte! Der Verfechter der Zeitmaschinen-Theorie hätte auch kein Glück, wenn
er anführen würde, dass die Versetzung selbst "zeitlos", also
augenblicklich erfolgt. Da ja nicht derselbe Augenblick, sondern ein vollkommen
anderer Zeitpunkt, nämlich Vergangenheit oder Zukunft das Ziel ist, muss die
Erde sich zwischen den beiden Augenblicken [Start und Ankunft] bewegt haben,
also wird sie sich wohl zu 99,99 % nicht im Augenblick der Ankunft wieder an der
Position des Starts befinden [können]. Dies ist übrigens immer das erste
Argument der Gegner der "echten" Zeitreise.
Die "virtuelle",
unphysische Zeitreise
[V]
Die "virtuelle" bzw. "mentale" Zeitreise wird anders als die "echte" rein
geistig bzw. mental vorgenommen. Der Protagonist verlässt sozusagen seinen Körper und kann
in Vergangenheit oder Zukunft eindringen. Dabei wird meistens ein
"Wirtskörper" in der Zielzeit als Träger genutzt. Dieser
Wirtskörper ist oft ein Vorfahre des Protagonisten, kann aber auch jede andere
beliebige Person sein. Ein schönes Bespiel hierfür ist sicher der Fernsehfilm Küss
mich, Genosse. Ein weiteres Beispiel
[auf jeden Fall besser gelöst als in "Küss mich Genosse!" ist Die
australische Revolution von A. Bertram Chandler:
Die Zeitreise erfolgt ja nicht physisch.
Ein Wissenschaftler hat vielmehr eine Methode entwickelt, jedermann die Erinnerungen seiner Vorfahren
zugänglich zu machen. Hierbei benutzt er einen Aufbau mit diversen
Gegenständen, die durch ihre Anordnung und Bewegung den Protagonisten in
Trance versetzen. Erprobt wird sie zunächst an dem SF-Schriftsteller
John Grimes [hinter dem unschwer der Autor selbst zu erkennen
ist], der in den Verstand seines Urgroßvaters zurückversetzt wird. Der
Protagonist kann nun jederzeit beliebig den "Gast"-Verstand
übernehmen. Auch die Idee einer "Manifestation" ist schon
dafür genutzt worden. Als virtuelle Zeitreise könnte man dann noch einige
"exotische" Varianten gelten lassen: Eine mentale/geistige Verbindung
von Personen verschiedener Zeitepochen oder auch Dimensionen zueinander sowie
die Übermittlung von Nachrichten über diverse technische
[i.d.R.
Informationsgeräte wie Telefon, Fernseher oder Computer] Geräte [als Beispiel
eMail:
Warnung aus der
Zukunft].
Beim Thema Drogen sind meist Zeiteffekte zu erwarten.
Eine besondere Verknüpfung von Zeit und Dimension finden wir bei
Zeitnomaden von
Michael
Moorcock. Der Protagonist wird durch den Einfluss einer Droge nicht
nur in der Zeit versetzt sondern auch in eine Alternativwelt! Ein ähnliches
Thema [Versetzung durch Drogen] nutzte auch Marion Zimmer Bradley in Das Haus zwischen den Welten.
Eine ganz besondere Unterkategorie ist die Wiedergeburt [Reinkarnation
oder auch Palingenese], eine Wiederfleischwerdung oder Wiederverkörperung
einer Person. Man könnte sie auch als eine Sonderform der Koma-Reisen
ansehen. Sie wird mit [K/V]
gekennzeichnet. Man findet in der Literatur allerdings nur wenige Beispiele
hierfür - i.d.R. dann historische Themen die dann als Hauptthema ägyptische
Geschichte nutzen. Ein Beispiel hierfür möge Der
grüne Skarabäus von Philipp Vandenberg sein.
...und die "virtuelle", physische Zeitreise
Hierbei stimmen zwar viele Parameter mit denen der reinen virtuellen Zeitreise
überein, die Protagonisten werden aber trotzdem dann tatsächlich physisch
versetzt!
Ein Beispiel hierfür sind zwei Möglichkeiten aus dem Zyklus Die
Chroniken von Narnia: In
Der König von Narnia
werden die Protagonisten durch ein Wunderhorn
in die Parallelwelt Narnia versetzt, in Die Reise auf der "Morgenröte"
wird durch das Betrachten eines Bildes
[hier als "Sprung-Symbol" genutzt] den Übergang aus.
Bewertung der Zeitmaschinen nach Aufwand der
Technik [unabhängig davon, ob wir diese schon beherrschen]
01
Hier erst einmal eine grundlegende These: Wir befinden uns grundsätzlich auf einer Zeitreise. Die Zeit fließt,
während wir leben.
Möglicherweise werden einige Leser [und auch
Wissenschaftler] diese These nicht [so] akzeptieren können, aber ich stelle sie einfach
mal so in den Raum. Diese "Zeitmaschine" ist also kostenlos. Man
könnte sie auch als subjektive Zeitreise [eher ein Zeitreisegefühl]
bezeichnen.
a Im wachen Zustand ist die einfachste Form der Zeitreise
[hier jetzt wirklich nur auf der Gefühlsebene], der scheinbar schnellere
Zeitfluss durch zielgerichtetes Tun die Zeit vergeht wie im Fluge] oder
das "herumlungern" [die Zeit vergeht subjektiv sehr langsam].
Im
Folgenden dann noch die "Reisezustände" die nicht bewusst wahrgenommen werden:
b Eine "erweiterte" Zeitreise wird dann durch
Schlaf oder Bewusstlosigkeit erreicht, die dann in ihrer drastischsten Form ein
Koma
[durch Unfall, Schock oder auch künstlich herbeigeführt] wäre.
Die konsequenteste Form dieser subjektiven, komatösen Form wäre
dann
natürlich ein Tiefschlaf in Form der Kryogenese [Einfrieren]. Beispiel für eine solche
Zeitreise:
Wie die Zeit vergeht von Larry
Niven.
c Theoretisch [oder auch praktisch?] ist es demnach also möglich, die Zeit [Zukunft] um einen minimalen
Faktor zu überlisten [zu
überholen], indem wir z.B. in einem Flugzeug entgegen
der Datumsgrenze fliegen [noch extremer Raumkapsel]. Diese
"Zeitmaschine"
ist dann "relativ" preiswert. Der technische
Aufwand hält sich in Grenzen, da alle technischen Teile
schon vorhanden sind - der
Effekt stünde aber trotzdem in keinem Verhältnis zum
Aufwand.
02 Setzen wir einmal die in Punkt
1a erwähnte Möglichkeit der Raumkapsel ->
Raumschiff, als gegeben an, dann käme die Möglichkeit
der Zeitdilatation
zum
Zuge. Wenn man diese als Zeitmaschine definiert, dann wäre sie somit
eine ebenfalls preiswerte und technisch
einfach zu verwirklichende Zeitmaschine
anzusehen. Der einzige Mehraufwand ist dann eine Antriebsmethode zu verwirklichen,
die das
Raumfahrzeug möglichst nahe an die Lichtgeschwindigkeit zu bringen
[permanente Beschleunigung]. Eine weitergehende Forschung bzgl.
Zeitmaschine kann dann entfallen. Für die mitfliegenden Passagiere ergibt sich
automatisch eine Zeitreise durch Dilatation. Eine weitere
Möglichkeit, Zeitdilatation auszunutzen,
wäre der Ereignishorizont eines
Schwarzen
Lochs. Literaturbeispiel hierfür zum Beispiel
Am Abgrund der Zeit
von Manfred
Wegener.
03 Versetzungen aller Art ohne Maschine - hierzu zählt auch eine Zeitreise
durch Drogen oder Hypnose. Hierbei geht es i.d.R. nicht um
eine "echte" Versetzung des Protagonisten,
sondern um ein "erleben" der Vergangenheit bzw. der Zukunft - i.d.R.
im Körper [Geist]
einer anderen Person [meist ein Vorfahre des
Protagonisten]. Beim Thema Drogen sind meist Zeiteffekte zu erwarten. Eine
besondere
Verknüpfung von Zeit und Dimension finden wir bei Zeitnomaden
von
Michael
Moorcock. Der Protagonist wird durch den Einfluss einer Droge
nicht nur in der Zeit versetzt sondern auch in eine
Alternativwelt!
04 Versetzungen die als "virtuell" oder "geistig" zu
verstehen sind.
Die in Punkt 3 +
4 aufgeführten Zeitreisearten zählen zu den
"virtuellen" Zeitreisen. Der wirkliche Kostenfaktor kann natürlich
nicht explizit beziffert werden - ähnlich
verhält es sich auch mit dem Faktor technischer Aufwand. Für alle Punkte 1 bis
4 gilt: Die Reihenfolge ist nicht wirklich statisch. Die nachfolgenden
Zeitreise-Möglichkeiten
sind als die "realen" Zeitreisen anzusehen.
05 Feste
(stationäre) Zeitmaschine [MS] Dies ist eine einzelne Maschine, die Personen oder
Gegenstände in eine andere Zeit versetzt. Für die Rückkehr
würde es zwei
Methoden geben:
a Dort angekommen können Personen nicht mehr in die
ursprüngliche Zeit zurückkehren, außer sie könnten so lange leben, bis die
Startzeit wieder erreicht ist [dabei
würde die Person zeitgleich mit ihrem eigenen Verschwinden ankommen -
möglicherweise könnte
könnte sie sich selbst noch als
"schattenhaften", verschwindenden Körper sehen!], oder
b sie würden eine Methode unter
1b nutzen.
Über ein eventuelles Paradoxon, das
entstehen würde, sobald sie den Zeitpunkt ihrer Geburt [oder schon der
Zeugung?] erreichen,
müsste allerdings noch nachgedacht werden, hat aber in diesem
Zusammenhang erst einmal keine Bedeutung.
06 Feste Zeitmaschine mit
Gegen-Maschine. [MSG] Dies ist erst einmal eine einzelne
Maschine, die Personen oder Gegenstände in eine andere
Zeit versetzt. Dort
angekommen müssen die versetzten Personen eine baugleiche Maschine
errichten und diese dann mit der ersten
Maschine "abgleichen". Damit wäre dann eine gegenseitige Zweiwege-Maschine etabliert. Hierbei müsste man aber bedenken, ob in
der
Zielzeit das für die Maschine benötigte Material, Werkzeuge und eine
entsprechende Energiequelle vorhanden ist. Anderseits könnte
natürlich auch alles
benötigte Material und Werkzeug [auch Energiequelle] gleich mit in die Zielzeit
transferiert werden. Zu den
"festen" Zeitmaschinen gehören in diesem Zusammenhang auch die
so genannten "Tore".
Einige Autoren haben das Problem allerdings etwas
abgekürzt. Sobald in der Startzeit die Zeitmaschine in Betrieb genommen wird,
"erscheint" in
der Zielzeit das entsprechende "Gegenstück". Die
Verbindung wird [wie auch immer] aufrecht erhalten. Sterling E. Lanier
hat hierzu in seiner
Kurzgeschichte
Das Zeitsyndikat
noch ein weiteres [unangenehmes] Problem
aufgeworfen - einen Materieausgleich zwischen den beiden Zeiten.
Was an Masse aus der einen Zeit verschwindet, muss durch
dieselbe Menge Masse aus der anderen Zeit ersetzt werden! Eventuell kann hier
der
Energieerhaltungssatz
angewendet werden ?
Wie funktioniert nun eine "Abgleichung" von Zeitmaschinen? Ich werden
mal [rein hypothetisch - vielleicht ist es ja auch Blödsinn?] versuchen hier
eine Methode zu entwickeln:
Dazu könnte man ein Quanten-Experiment der verzögerten Entscheidung
[delayed
choice quatum experiment] heranziehen [Wheeler,
2006]. Spaltet man ein einzelnes Photon [Lichtquant] in zwei gleichwertige
Photonen [mit halber Energie aber doppelter Wellenlänge], so sind diese beiden
Photonen für alle Zeiten und über alle Entfernungen hinweg miteinander
verbunden. Sie sind verschränkt/verwindelt/verheddert [engl. entangled].
Ändert man sich bei einem Photon irgendeine Eigenschaft, dann ändert sich
diese Eigenschaft auch beim anderen Photon, und zwar augenblicklich. Auf diese
Art könnten also die beiden Zeitmaschinen ihren "Abgleich" [in diesem
Falle "sich finden"] finden und die direkte Verbindung könnte
hergestellt werden.
07 Tore
Die "Zeitmaschinen", die als Tore oder
auch Portale bezeichnet werden, können natürlich jede Art von Form haben. Die Gruppe der
Ringtore
sind ja schon vorher beschrieben worden. Ansonsten hier noch mal der Link
08 Mobile
Zeitmaschine [MM]
a Eine Zeitmaschine, die nicht irgendwo fest verankert
sondern "bewegbar" ist [das erste Beispiel überhaupt ist
natürlich die berühmte
Zeitmaschine
von Wells]. Mobil bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich nur,
dass sie [wenn vielleicht auch nur mit Mühe] vom
Zeitreisenden bewegt werden kann. Sie funktioniert in beide Richtungen.
b
Die Art der "vollkommen" beweglichen Zeitmaschine sind solche, die
der Protagonist einfach mit sich herumtragen kann. Diese sind
dann meist in Form eines PDA,
Laptops, Handys usw. präsent. Besonders kleine Geräte [also ein PDA] finden
wir bei
Phillip
Badger
im Film Slipstream,
oder auch in Der
Tisser-Krieg von Kevin O´Donnell.
In letzterem Roman wird das Gerät allerdings zu einer
Waffe, deren Funktionsweise hier
ansatzweise beschrieben ist: Das Gerät ist eine Time-Space-Seperation Unit,
also ein
Zeit-Raum-Trenngerät, kurz
als TSS-Gerät oder auch "Tisser" benannt. Auf dem TSS werden
die gewünschten Koordinaten
[Eckpunkte] eingestellt [Anzahl
Meter zwischen den Ecken, Breite, Tiefe und Höhe]. Nach der Aktivierung
verschwindet der
gewählte Bereich einfach.
Dummerweise gibt es eine unangenehme "Nebenwirkung": Alle [und zwar
wirklich alle!] Menschen
vergessen vollkommen, dass es den
verschwundenen Gegenstand oder Menschen je gegeben hat... "ich hatte nie
eine Mutter!".
Tauchen die Gegenstände oder
Menschen wieder auf [was mit diesem Gerät eben auch möglich ist], dann
wundern sich alle
Menschen, wo denn die Gegenstände
bzw. Menschen gewesen sind. Materie [oder ihr Äquivalent Energie] ist die
Erscheinungsform
einer Kraft [Zeit], die durch eine
Matrix [Raum] fließt. Man schafft die negative Entsprechung eines
Raum-Zeit-Feldes und projiziert
es in die Realität. Dann sind beide
für eine Millisekunde völlig miteinander verwoben. Zeit wird um den Raum
gewickelt [anstatt
umgekehrt]. Dann wird beides zur
Seite "gedrückt". Was geschieht mit dem verschwundenen Bereich? Nun,
nimmt man z.B. einen
Löffel und schöpft damit Wasser
aus einer Schüssel, gibt es dann ein Loch? Nein, das umgebende Wasser fließt
einfach zusammen.
Das Wasser symbolisiert hierbei den
Raum - nicht die Materie!
c "Mobil" im Sinne von Auto [fahren] oder
Flugzeug/Raumschiff [fliegen]. Ein schönes Beispiel für solche Zeitmaschinen findet man
in den
Abenteuern von Hannibal Fortune.
Eine weitere, etwas exotische
Form ist z.B. der Flug mit einem Raumschiff, das mittels Transition
[Ein
Raumschiff entmaterialisiert im Normalraum, springt in den Hyperraum und materialisiert an
einem anderen Punkt im Normalraum
wieder, der viele Lichtjahre entfernt liegen
kann.] an neues Ziel ansteuert und statt nur eine Entfernung, plötzlich [wegen
eines
Fehlers - oder gewollt] auch eine andere Zeit "anspringt".
Beispiel hierfür ist z.B.
Wanderer zwischen drei Ewigkeiten
von
Clark
Darlton
[soweit ich weiß, wurde der Begriff "Transition" in
den
Perry Rhodan-Heften
geprägt].
Es folgen jetzt noch die etwas "exotischen" Varianten von
Zeitmaschinen:
09 Organische
Zeitmaschinen [O] Hierfür ist
Die
Zeitbestie von
Neal
Asher ein schönes Beispiel. Bisher ist mir nur diese eine bekannt. Zu
den
organischen Zeitmaschinen kann man nun natürlich auch
die Fähigkeit von Personen zählen, die direkt durch die Zeit springen.
Hierfür gibt es
dann allerdings eine Vielzahl von literarischen
Beispielen. Etwas älter und als Thema auch beliebt natürlich der gute alte
Catweazle.
Ein neueres
Beispiel wäre da auch der Protagonist Hiro aus
der Serie
Heroes.
10 Sonnentransmitter - wobei diese hauptsächlich auch Tore sind.
Über Sonnentransmitter [und auch Transmitter im Allgemeinen]
kommen wir später, sobald entsprechende Romane aus der
Perry Rhodan-Serie eingebunden sind [i.d.R. kommen Transmitter nur
dort vor].
11 Wirklich
exotische Zeitmaschinen oder Zeitreise-Methoden. Hier haben einige
Autoren wirklich ihre Fantasie spielen lassen.
Einige Beispiele: Eine Trommel
nutzt Lars Winter
in Die
Zaubertrommel; einen Kompass
nutzt Herbert
Rosendorfer in
Briefe in die chinesische Vergangenheit. Zu
dieser "Zeitmaschine" gibt es die folgende Erklärung:
Die Zeitmaschine des Mandarins [Zeit-Reise-Kompass] transportiert jeweils
nur einen Menschen; auch die Reisetasche darf nicht
zu schwer sein, sonst
bleibt der Zeitreisende womöglich unterwegs stecken. Die Zeitreise
erfolgt abrupt und ohne Zeitverlust.
Wegen der Erdrotation sind jedoch der
Ort des Aufbruchs und der Ankunftsort verschieden. Der Zeitreisende kann
sich mittels
"Zeitreisepapier", das an einem Kontaktpunkt niedergelegt
wird [und wie von Geisterhand entschwindet], mit seiner "Zeitheimat"
verständigen – woher die Energie für die Zeitreise stammt, wird in dem
Roman nicht genau gesagt.
Im
Zyklus
Verschollen, sitzen die Protagonisten auf einem
Sofa. Der Effekt der Zeitreise hat allerdings ernsthafte,
wissenschaftliche
Grundlagen:
Gegenläufige Laserstrahlen kreisen in einem Bose-Einstein-Kondensat.
Diese Zeitmaschine beruht auf
den Forschungen von Ronald
Mallett und
Lene
Hau. Die gegenläufig kreisenden Laserstrahlen
erzeugen eine Krümmung der Raumzeit.
Weitere Arten werden ergänzt sobald entsprechende Informationen vorliegen.
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