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PARALLELWELTEN | Die australische Revolution

Cover: Ken Kelly
 
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Taschenbuch
Originaltitel: Kelly Country [1983]
Autor: A. Bertram Chandler 
Verlag/Jahr/Seiten: Goldmann / 1986 - 347 Seiten
Reihe: Goldmann SF 23497
ISBN: 3-442-23497-2
Übersetzung: Denis Scheck
Zeitmaschinen u. Übergangs-Zuordnung: V | Funktion der "Zeitmaschine" 
Alternativwelt-Zuordnung:
 | Liste Zuordnungen 

Eine alternative Geschichte von Chandlers Heimatland [Australien]. Im Gegensatz zu Der große Tunnel von Harry Harrison, existiert die alternative Welt Chandlers nicht von vornherein; sie entsteht – ähnlich wie in Der grosse Süden von Ward Moore – durch eine unbedachte Aktion des Protagonisten während einer Zeitreise. Wobei die Zeitreise in "Die australische Revolution" nicht physisch erfolgt; ein Wissenschaftler hat vielmehr eine Methode entwickelt, jedermann die Erinnerungen seiner Vorfahren zugänglich zu machen. Erprobt wird sie zunächst an dem SF-Schriftsteller John Grimes [hinter dem unschwer der Autor selbst zu erkennen ist], der in den Verstand seines Urgroßvaters zurückversetzt wird, der in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts dem Banditen Ned Kelly begegnete. Grimes soll durch seine "Zeitreise“ lediglich Informationen für einen Artikel über Ned Kelly sammeln, der in dem Australien [nach den Informationen im Vorwort des Autors] der realen Welt offenbar eine gewisse Popularität genießt. Doch es geschieht genau das, was für unmöglich gehalten wurde: Grimes übernimmt die Kontrolle über seinen Urgroßvater und vereitelt die Gefangennahme Kellys [und damit seine spätere Hinrichtung]. Als Grimes aus seiner Trance in der Gegenwart erwacht, findet er ein völlig verändertes Australien und teilweise veränderte Welt vor. Das Geschehen wird abwechselnd auf zwei Ebenen geschildert: In der Vergangenheit führt Kelly den Unabhängigkeitskampf gegen die englische Kolonialmacht, den er mit Hilfe diverser technischer Innovationen, die von den etablierten Staaten ignoriert werden, [beispielsweise als Bomber eingesetzte Zeppeline oder Panzerzüge] gewinnt. In der Gegenwart gerät sein Urgroßvater, der Präsident Australiens, politisch zunehmend unter Druck. Der bisherige Verbündete Australiens im Vietnamkrieg, die USA, wird zum Feind. Das politische System Australiens ist konservativ bis autoritär. Nach dem Unabhängigkeitskrieg entstand keineswegs eine Demokratie, die Macht blieb über sämtliche Generationen hinweg in den Händen der Kellys. Australien wird von der Apartheid beherrscht, und SF ist natürlich unerwünscht – weswegen Grimes seinen Lebensunterhalt im alternativen Australien durch das Schreiben von historischen Abenteuerromanen verdient... 
Nur wenige Aspekte der alternativen Welt in "Die australische Revolution" haben positiven Charakter [z.B. fiel John F. Kennedy dem Attentat von Dallas nicht zum Opfer]. Die Aussage dieses Romans ist nach alledem klar: Ein Bandit bleibt ein Bandit, mag er auch seine Landsleute in die staatliche Unabhängigkeit führen und ihr Präsident werden. So wird der Kelly der Gegenwart selbstverständlich gestürzt.

Eine ähnliche Art der Zeitreise finden wir auch bei Das andere Ufer der Zeit + Im Strom der Zeit von Jack Finney [ohne Maschine, physischer Übergang der Protagonisten], Herrscher im Weltenraum + Rückkehr zu den Sternen von Edmond Hamilton [ohne Maschine, nichtphysischer Übergang der Protagonisten] und Stravaganza von Mary Hoffman [ohne Maschine, nichtphysischer Übergang der Protagonisten], hierbei ist die "Reise" eine etwas andere, weil sie in eine Parallelwelt führt! Eine weitere alternative australische Welt findet sich z.B. auch in Der Quantenfisch von Paul Voermans.

Meine Wertung: [3]
Ein netter Versuch, einen Volkshelden, ähnlich dem legendären Robin Hood, neu darzustellen. Der "Held" ist natürlich in Wirklichkeit ein Straßenräuber, oder wie man so schön sagt, ein "Strauchdieb", wird aber im Laufe der Geschichte immer mehr "glorifiziert". Das ging auch dem amerikanischen Gegenstück Jesse James so. Nun ja, klar dass irgendwann ein Autor das Thema aufgreift und eine neue Geschichte um den Held herumbaut. So können manchmal Brüche in der tatsächlich bekannten Geschichte überbrückt werden und oft gelingt es, ein neues Verständnis für das Leben der damaligen Zeit zu entwickeln. Chandler hat es mit diesem Roman bestimmt geschafft, ein gewisses Verständnis der Lebensumstände der damaligen Zeit aufzubauen. Andererseits fand ich es sehr störend, dass hier versucht wurde, uns auch das etwas "andere" Englisch Australiens nahe zu bringen. Ich weiß selbst, dass "australisch" in den Ohren anderer, englisch sprechender Völker, ziemlich "verquer" klingt - ich bin selbst dort aufgewachsen. Vielleicht liegt es ja am deutschen Übersetzer, aber ich hätte auf einen Versuch, das auch in deutsch rüberzubringen, verzichten können. Ansonsten ein durchwegs leicht zu lesender Stoff, aber leider auch nicht unbedingt ein wirkliches Highlight dieses Genres.

Die "Zeitmaschine":
Die Zeitreise erfolgt nicht physisch. Ein Wissenschaftler hat vielmehr eine Methode entwickelt, jedermann die Erinnerungen seiner Vorfahren zugänglich zu machen. Hierbei benutzt er einen Aufbau mit diversen Gegenständen, die durch ihre Anordnung und Bewegung den Protagonisten in Trance versetzen. Erprobt wird sie zunächst an dem SF-Schriftsteller John Grimes [hinter dem unschwer der Autor selbst zu erkennen ist], der in den Verstand seines Urgroßvaters zurückversetzt wird. Der Protagonist kann nun jederzeit beliebig den "Gast"-Verstand übernehmen. 

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