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FACHLITERATUR | Alice über alles

Cover: Originalbild von John Tenniel
 
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Hardcover
Originaltitel: Alice at 80 
Autor: David R. Slavitt 
Verlag/Jahr/Seiten: Eichborn / 2010 - 276 Seiten
ISBN: 3-821-86231-9     ISBN13: 978-3-821-86231-6
Übersetzung: Heide Sommer
Alternativwelt-Zuordnung:  | Liste Zuordnungen 

Ein Stück Weltliteratur - und seine verborgene Wahrheit - Die Kinderliebe des genialen Erzählers Lewis Carroll

Jeder kennt und liebt Alice im Wunderland - Alice über alles ist der realistisch und zugleich anmutig erzählte, freilich auch kompromittierende Roman über die Beziehung des Autors Lewis Carroll zu seinen Kinderfreundinnen - und was das Leben aus ihnen machte.
Im Herbst des Jahres 1932 verlieh die Columbia-Universität in New York in feierlichem Zeremoniell der 80-jährigen Alice Liddell die Würde einer Ehrendoktorin für ihre Verdienste um die Literatur, die sie als kleine Anregerin der genial-absurden Märchen von Lewis Carroll sich erworben hatte. Nein, David R. Slavitt, Lyriker, Romancier und Übersetzer, hat diese Szene samt ihrer Komik nicht erfunden. Sie ist historisch verbürgt. Der Dr.h.c. für die würdige Greisin galt natürlich nicht nur dem Charme eines Kindes, das die Phantasie des schüchtern-stotternden Universitätsdozenten beflügelte, sondern dem Kauz selber, der in kurioser Mischung Mathematik, klassische Literatur und Theologie am Christ College in Oxford lehrte. Lewis Carroll war, kein Zweifel, vernarrt in kleine Mädchen, denen auch seine zweite Passion galt: die Photographie.
Die akademische Auszeichnung zwang die alte Alice, sich der Wahrheit jener fragwürdigen Liebe des so viel älteren Gelehrten zu ihr und zu ihren Nachfolgerinnen zu öffnen: ein "unkorrektes Sujet", auch und erst recht in einer Epoche, in der Lolita zum literarischen Symbol oder die Bilder von Balthus zu Symbolwerken wurden. Die ironische Erzählkunst und der diskret-indiskrete Stil des Romans lösen die Spannung zwischen dem Tabu und der Realität von jeder Scheinheiligkeit.

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