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Der Balowa-Verlag [hier nur einmal als exemplarisches Beispiel!], der im westfälischen Nest Balwe seinen Sitze hatte, druckte in den 50-70er Jahren so genannte Leihbücher. Das waren möglichst billig hergestellte, auf stark holzhaltiges Papier gedruckte, fest gebundene, durch eine robuste und abwischbare Efalin- [Hochweißer, sehr fester Karton mit Feinleinen-Prägung. Dieses Material verleiht heute Briefbogen und ähnlichen Drucksachen einen exklusiven Charakter und ahmt die Oberflächenveredelung durch Pressung mit einem Leinentuch nach.] bzw. Supronyl-Folie [Supronyl wird heute nur noch bei der Fertigung von Lautsprechern genutzt] geschützte Bücher, die nicht in den Handel gelangten, sondern in (Leih-)Büchereien verliehen wurden. Oft im Verbund mit einem Zigaretten- und Zeitschriftenhandel geführt, konnte man sich hier für kleine Geldsummen Bücher ausleihen. Das Leihbuch-Publikum war überschaubar, die zu seiner Versorgung erforderlichen Auflagen damit kalkulierbar. 

Ein für dieses Genre interessantes Buch...
Damalige Bestseller waren nicht (immer) zu erwarten [obwohl sich einige von diesen Werken inzwischen tatsächlich zu solchen entwickelt haben!]. Die Autoren wurden meist kümmerlich entlohnt. Verdienen konnten sie nur, wenn sie schnell arbeiteten. Dass unter dieser Prämisse nur wenige Meisterwerke entstanden, war sowohl klar als auch unwichtig: Action und ein Hauch nicht allzu verwerflicher Anrüchigkeit waren definitiv wichtiger als Stil oder gar Anspruch. Doch immer wieder tauchten auch hier Werke auf, deren Autoren später durchaus bis zur Elite der Schreiber aufstiegen; Werke, die heute z.T. schon wieder als Klassiker des SF gelten. Es lohnt sich also durchaus mal nach diesen alten Werken zu forschen. Leihbücher sind inzwischen z.B. über sf-leihbuch.de sehr gut erfasst und dokumentiert [wobei aber oftmals noch viele Daten fehlen - die Verlage hatten früher sehr undurchsichtige Ordnungsprinzipien]. Dort lässt sich z.B. schnell etwas typisches erkennen: Leihbücher, bei denen keine Nachdrucke [i.d.R. erst immer Terra, Terra Extra und später Taschenbücher] angegeben sind, können schon vorab wohl gleich in die Kategorie "grottenschlecht" eingeordnet werden. Lesen muss man sie nicht wirklich. Ich persönlich sehe sie nur als reines Sammelobjekt.
Weitere bekannte Verlage, die Leihbücher herstellten waren z.B. der Bewin-Verlag B. Winterbach K.G. aus Menden/Sauerland [gab die größte Zahl von Leihbüchern heraus], gefolgt von den Gebrüdern Zimmermann], die Dörnersche Verlagsanstalt Düsseldorf, und etliche weitere. Im Laufe der 50er und 60er Jahre waren etwa 220 Leihbuch-Verlage am deutschen Markt vertreten! Danach gingen [besonders wegen zahlreicher Taschenbuch -und Heftausgaben renommierter Verlage] die Leihbücher stark zurück und die meisten Verlage stellten die Herausgabe dann schnell ein, wurden aufgelöst oder hatten das Geschick neue Nischen zu finden. 
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