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ALTERNATIVWELTEN l Flusswelt-Zyklus  







Status: wieder neu erfasst 10.1.2017
Originaltitel: Riverworld [1967 - 1980]
Autor:
Philip José Farmer
Verlag/Jahr: verschiedene
l

Eine zeitlose Vision über das Schicksal der Menschheit, die mit dem Hugo Gernsback-Award ausgezeichnet wurde und zu den bedeutendsten Werken der phantastischen Literatur zählt [was ich allerdings keinesfalls unterstreichen kann, im Gegenteil!]. Der erste Flusswelt-Roman entstand bereits 1953 anlässlich eines Romanwettbewerbs, doch Farmer wurde um Preis und Honorar betrogen.
1 Die Flusswelt der Zeit
Sir Richard Francis Burton, der englische Forschungsreisende, Literat und Abenteurer, hatte vergeblich versucht, die Quellen des Nils zu entdecken, hatte Tausendundeine Nacht ins Englische übersetzt und war der erste Europäer, der, als  Mohammedaner verkleidet, Mekka und Medina besuchte. Er war zeit seines Lebens kein gläubiger Mensch gewesen. Als er 1890 in Triest einer Herzattacke erlag, glaubte er gewiss nicht an ein Leben nach dem Tode. Er sollte sich getäuscht haben. Wenig später erwacht er in einer "Wiederbelebungsanlage" in einem Raum fern der Erde, und kurze Zeit später findet er sich in einer Flusslandschaft wieder, in der alle Menschen, die seit dem Urbeginn der Rasse bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts existiert haben, nach ihrer Wiederbelebung angesiedelt wurden. Burton gibt sich mit der bloßen Tatsache seiner Wiederbelebung nicht zufrieden. Er will herausfinden, wer ihn um seinen Tod betrogen hat und wer mit der menschlichen Rasse diese groteske Posse treibt. Zusammen mit einer ehrwürdigen Lady, einem frühmenschlichen Kannibalen und weiteren Begleitern aus anderen irdischen Gegenden und Epochen macht er sich auf, der Sache nachzugehen. Auch Hermann Göring schließt sich seiner Expedition an.
2 Auf dem Zeitstrom
Die Flusswelt hat ihre ihre Reize, ihre ungeahnten Möglichkeiten, wenn man gewillt ist, die Herausforderung anzunehmen, zu den Quellen des Stroms vorzustoßen und das Geheimnis der fremden Rasse zu lüften, die mächtig genug ist, Projekte dieser Größenordnung durchzuführen. Mark Twain und John Lackland, der riesige Neandertaler Joe Miller, der französische Haudegen Cyrano de Bergerac und der Jagdflieger Freiherr von Richthofen tun sich zusammen, um Mark Twains Traum zu verwirklichen: ein großes Flussschiff zu bauen und den Strom hinaufzufahren. Eine gigantische Aufgabe mit den primitiven Mitteln, die zur Verfügung stehen - und eine schier unlösbare Aufgabe sozialer und politischer Art.

3 Das dunkle Muster
Einige Menschen machen sich auf, um das Rätsel dieser Welt zu lösen, den sagenhaften Polturm zu suchen, in dem vielleicht das Geheimnis schlummert. Jack London ist
dabei und Richard Burton, Nur ed-din el-Musafir und Leonardo da Vinci, Tom Mix und Karl Marx, Nietzsche und Rousseau, Bakunin, Ramses II. und viele andere mehr.
4 Das magische Labyrinth
Die Menschen beginnen zu ahnen, dass eine fremde, hochentwickelte Rasse mit gottähnlichen Fähigkeiten mit ihnen experimentiert. Oder ist es, Gott selbst, der sich diesen grausamen Scherz erlaubt? Nein, denn die Mächte müssen sich uneins sein. Es kommt zu "Betriebsstörungen" in der Versorgung, zu Sabotageakten. Eines Tages funktioniert auch die Wiedergeburt nicht mehr. Mark Twain und seine Getreuen wollen das Rätsel lösen, das sie in dem legendären Polturm am Ursprung des Flusses vermuten. Doch bevor er mit seinem Schiff bis zur unzugänglichen Bergwelt der Polregion vordringen kann, muss er seinen Erzfeind und Gegenspieler überwinden, der ihm den Weg zum Ziel verlegt: John Lackland. Nur wenige der berühmten tapferen Männer überleben die erbitterte Auseinandersetzung und erreichen nach unsäglichen Strapazen das Ziel: den Polturm, die Steuerzentrale der Flusswelt.
5 Die Götter der Flusswelt
Richard Francis Burton und seine Freunde haben nach einer jahrzehntelangen Reise endlich einen geheimen Schlupfwinkel der Ethiker aufgespürt: einen gigantischen Metallturm, dessen Innenleben den Eroberern sämtliche Machtmittel verleiht, die sich ein Mensch nur wünschen kann. Die Supertechnik der Ethiker macht aus Burton und seinen Mitstreitern Quasi-Götter: Das Leben der Flussweltbewohner liegt fortan in ihren Händen. Bis eines Tages der geheimnisvolle Fremde, der die Pläne der Ethiker sabotiert und sich Burtons Gruppe angeschlossen hat, einem mysteriösen Attentat zum Opfer fällt. Ist man wirklich allein im Turm? Oder ziehen die Ethiker noch immer an den Fäden?

Zum Flusswelt-Zyklus gibt es noch folgende Kurzgeschichten [ich weiß leider nicht, ob sie irgendwo in deutsch erschienen sind, sorry...]:
Day of the great shout [1965], Riverworld [1966], The suicide express [1966], Riverworld war [1980], Crossing the dark river [1992], A hole in hell [1992], Up the bright river [1993], Coda [1993]
1 Die Flusswelt der Zeit l 2 Auf dem Zeitstrom l 3 Das dunkle Muster l 4 Das magische Labyrinth l 5 Die Götter der Flusswelt l Game

Als engl. Ausgaben gibt es zahlreiche Ergänzungen und weitere Story-Sammlungen [auch von anderen Schriftstellern] zum Thema Flusswelt. Leider sind die meisten dieser Werke [noch] nicht ins Deutsche übersetzt worden. Eine Kurzgeschichte zum Thema Flusswelt und auch gleichzeitig einen guten Einstieg in Farmers Schaffen bietet die Story-Sammlung Schockvisionen [nur in Deutsch erschienen!].

Andreas Brandhorst hat diese Grundidee übernommen und ebenfalls ein Werk mit diesem Thema zusammengestrickt: Die Stadt
Rezension und Bewertung von Zeitreisefan: [3] l Meine Gesamtwertung: [4]
Der Grundgedanke des Flusswelt-Zyklus ist eigentlich ganz interessant, bietet er doch mal eine ganz neue Idee, was man sich unter dem Leben nach dem Tode vorstellen kann: Außerirdische verbringen alle jemals gelebten Menschen auf einen künstlich geschaffenen Planeten, versorgen sie dort täglich mehrmals mit Nahrung und Genussmitteln [Zigaretten, Alkohol, Marihuana, eine bewusstseinserweiternde Droge usw...], ebenso mit Kleidung, und überlassen sie ansonsten vollkommen sich selbst. Die daraus entstehenden Probleme und Konflikte aufzulösen, neue Wege im Zusammenleben vollkommen unterschiedlicher Menschen aus unterschiedlichen Zeitepochen zu finden, Sprachbarrieren zu überwinden und den Erfindergeist der Menschheit neu zu beleben, all das hätte ein wunderbares Werk entstehen lassen können. Philip José Farmer gelingt es aber leider nicht, neue und interessante Visionen zu entwickeln, Stattdessen lässt er mehr oder weniger berühmte Persönlichkeiten auftreten, verzettelt sich allzu oft in langatmige Beschreibungen dieser Figuren, scheitert im Versuch, diesen Figuren neue Charaktereigenschaften zuzuweisen, bringt zum Beispiel Hermann Göring mit einer ziemlich falschen, realgeschichtlichen Darstellung, als sich vom Saulus zum Paulus wandelnden Sympathieträger ins Spiel [was mir offen gesagt während des gesamten Zyklus immer wieder Zahnschmerzen bereitet hat], startet jeden neuen Band mit teilweise endlosen Wiederholungen, wobei man dann oft erst nach gut der Hälfte des Buches endlich bei neuen Handlungsabschnitten ankommt. Kurzum: man hätte diese 4 Bände mit ihren 1.542 Seiten locker auf ein Drittel kürzen können ohne Handlungsverlust. Mag sein, dass Göring als Sympathieträger nur uns Deutschen unangenehm aufstößt, mir wäre es dennoch lieber gewesen, von einem weniger widerlichen "Helden" durch das Buch begleitet zu werden. Vielleicht wäre dann das Urteil etwas besser ausgefallen: gerade noch als lesbar einzustufen. Der 5., später nachgeschobene Band, den Farmer zunächst wohl gar nicht geplant hatte, habe ich mangels Interesse erst gar nicht mehr gelesen und kann daher nichts dazu sagen...
 


Ein für dieses Genre interessantes Buch... 

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